Bildung der Zukunft oder Kopfreform? | Gunter Dueck | SWR Tele-Akademie

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Bildung der Zukunft oder Kopfreform? | Gunter Dueck | SWR Tele-Akademie 5
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Ein wahnsinnig guter Vortrag, ich habe dieses Wochenende auf Youtube mit Gunter Dueck Vorträgen verbracht und stelle fest, dieser Gunter Dueck in einen Topf geworfen mit Richard David Precht gibt eine ganz hervorragende Mischung. Die beiden sollten sich mal zusammen setzen und ein Netzwerk aufbauen. Ich folge auch dem Aufwachen-Podcast mit Stefan Schulz der zu all diesen Themen regelmäßig sehr intelligente Beiträge abliefert.
Ich muss noch erwähnen, ich bin "geistiger Tecki, will heißen, ich habe keine Ahnung von Mathematik und Programmieren, ich kann mir aber sehr gut vorstellen, ein Armband zu tragen, das meine Blutwerte an ein medizinisches Rechenzentrum sendet und mir bei Unregelmäßigkeiten eine Empfehlung sendet, mich mal schnell in ein Krankenhaus zu begeben. Ich habe mir auch noch nie ein Auto gekauft, ich freue mich aber schon sehr auf Hyperloops und selbstfahrende Autos - unabhängig von Diesel-Gate und Stickoxiden.
Wie wir all diese Menschen nur beschäftigen sollen, wenn es in wenigen Jahren wirklich eintritt, das Millionen bisher glückliche Fliesband- und Büroarbeiter ihre Jobs verlieren und ganz ehrlich, Kreativität lässt sich leider nicht so einfach erlernen ... das ist wohl die zentrale Frage der Zukunft in der gesamten entwickelten Welt. Das trifft ja nicht nur Deutschland, das geht von den USA bis nach China und betroffen sind mehr als die Hälfte der Menschen, die auf diesem schönen Planten leben.
Die Politik ist völlig frei von jeglichen Zukunftsvisionen, dort wird seit langer Zeit nicht mehr über Strategien nachgedacht, nur noch über Taktik und wie man von Legislatur zu Legislatur über die Runden kommt und im besten Fall wieder gewählt wird.

Ich lebe im Großraum Stuttgart und habe einige Freunde und bekannte welche in der Automobilindustrie bzw Zulieferern ihr Geld verdienen. Wir sind alle Anfang dreißig, viele mit Studium, noch sehr frischen Ehen und teilweise kleinen Kindern. Einige haben sich in den letzten Jahren Häuser gebaut und dazu hohe Kredite aufgenommen und nun schlagen sie ihre Augen auf und können überhaupt nicht begreifen, wie schnell ihr Arbeitgeber obsolet werden könnte. Ist ein bisschen wie Kodak oder Nokia nur das es nun eben die sogenannte Schlüsselindustrie trifft.
Ich bin mal sehr gespannt, wie die Politik nun hierauf reagiert, meines Wissens erst einmal mit einem großen Autogipfel am nächsten Freitag ^^ Da wird dann darüber verhandelt werden unter welchen Bedingungen die Dreckschleudern weiterhin die Menschen in deutschen Großstädten vergiften dürfen - und ich denke mir so "Junge, du hast nichts kapiert", um mal Schröder zu zitieren :-D
Es geht doch gar nicht um die Giftigkeit von Verbrennungsmotoren, es geht um deren Einfachheit! Für einen Verbrenner braucht man über tausend Teile und ein E-Motor ist ein besserer Fön bestehend aus vielleicht 25 Teilen. Höherer Wirkungsgrad und vor allem BILLIGER und wenn die deutschen Autobauer wie die letzten zwanzig Jahre mauern wollen, dann bauen es eben andere. Unsere Schlüsselindustrie "Autobau" stirbt so oder so aus und entweder die Konzerne schaffen es sich vollkommen neu zu erfinden oder sie werden zu Museumsstücken.

Was wir dann mit den ganzen Menschen machen ist ja immer noch ein Problem :-D Ich schlage vor, wir organisieren unsere Gesellschaft auch um, das muss ich eben kurz ausführen.
Mit der "Industrie 4.0" digitalisieren wir ja die Wertschöpfung und perfektionieren die Maschinen zu Arbeitssklaven die weder in den Urlaub wollen, noch krank sind oder gar Pausen brauchen. Super Sache, erinnert doch irgendwie an die Sklaven in den USA im 17- Jahrhundert - nur das eben die neuen mechanischen Sklaven damit vollkommen zufrieden sind, das sie für uns lebende Menschen die Arbeit übernehmen.
Nun leben wir in der sogenannten entwickelten Welt ja eh schon im Überfluss, ich will damit sagen, die Regale sind zum bersten voll - nun müssen wir unsere Gesellschaft umbauen indem wir neue Regeln erzeugen, wer sich wie viel aus diesen Regalen heraus nehmen darf. Mit unserer bisherigen Wirtschaftsform ist das nicht mehr lösbar. Vom Geldsystem, Zins und Zinseszins, den ganzen irrsinnigen Börsenhandel usw ist das nicht mehr haltbar. Wie war das, 8 Menschen teilen sich die Hälfte des Reichtums der ganzen Welt ?!? ^^ Alles klar, das Monopoly Spiel ist dann auch demnächst zuende und wir müssen uns eben etwas neues einfallen lassen. Ich denke gerade so an Star Trek, wie die Menschen einfach so zu einem Replikator gehen und sich ihr Lieblingsessen zubereiten lassen. Klar, chemisch und physikalisch sind wir noch nicht so weit ^^ Aber der Gedanke, wer sich wann und was aus den Regalen heraus holen darf, damit komme ich der Sache schon recht nahe.
Vielleicht bräuchte es dazu Mathematiker, die sich tolle Algorhytmen überlegen, wie viel Rohstoffe unter welchem Aufwand nun benötigt werden und wie viel Energie, Transportwege und schließlich Roboterpower eingesetzt werden muss um ein goldenes Halskettchen oder eine Tomate zu erzeugen und je nach dem, darf man sich dann eben etwas aus den Regalen nehmen ...

Wir könnten auch ein Transportnetzwerk über die ganze Welt erschaffen/ von Maschinen erschaffen lassen, das uns ganz schnell reisen lässt um unsere emotionale Intelligenz zu schulen. Ich setze mich dann in Stuttgart in den Hyperloop und fahre nach Moskau. Zwei Tage später übe ich mich in Tibet in der Meditation um nach acht Tagen New York zu erleben und die Menschen dort kennen zu lernen. Ich wüsste auch nicht wer mir hierbei etwas böses wollte.
Wenn wir es dann noch hinbekommen, das wir die Energie, als den Treibstoff all unserer Wünsche noch vollkommen regenerativ erzeugen könnten, vielleicht sogar in einem richtig toll ausgeklügelten System, von wegen Wasserkraft aus Skandinavien und Alaska, Sonnenenergie aus den Wüsten usw, dann können wir in wenigen Jahren die gesamte Welt auf ein einheitliches Niveau bringen - ohne das irgendjemand auf irgendetwas verzichten müsste. Das ist doch mal eine Vision einer Zukunft und da will ich auch überhaupt nicht bei einem Arzt vorstellig werden, nein, vielmehr will ich dann Kinder in die nun bessere Welt setzen :-D

Viele Grüße an alle

PS: Gunter, ich habe der jetzt gleich mal ein Abo da gelassen und weil ich so begeistert von deiner Denkweise bin folge ich dir auch gleich noch auf Twitter.
Und auf Twitter habe ich eben festgestellt, der oben erwähnte Stefan Schulz, der folgt dir dort auch :-D

Bye bye

Author — Teri am Puls

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"Ich hab mal in mein Zeugnis gekuckt.... ich weiß nicht, ob das immer noch drauf steht...." Das trifft den Kern des Vortrags. Das Bild von Schule, das hier gezeichnet wird, ist längst nicht mehr aktuell. Es mag sein, dass das Bildungssystem hier und da hinterher hinkt. Kompetenzorientierung ist hier aber längst angekommen. Schulen sind nicht mehr bloße Anstalten der Wissensvermittlung.

Author — Klavier Leidenschaft

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Bildung der Zukunft kann nur als Reform in den Köpfen der Menschen gute Ergebnisse bringen. Dazu sollte man sich aber unbedingt der Pläne Wilhelm von Humboldts erinnern, die er vor 200 Jahren in Preußen nicht umsetzten durfte, weil der mündige Mensch der Aufklärung der Politik zu gefährlich erschien - und das ist auch heute noch Staatsdoktrin.
Wilhelm von Humboldt will den ganzen Menschen bilden: Verstand, Gefühl, Fantasie, die Verknüpfung des Ichs mit der Welt, und, vor allem, humanistische Bildung von der Ausbildung für Beruf oder Funktion in der Gesellschaft klar trennen: Erst wenn der Mensch Persönlichkeitsbildung durch Vervollkommnung des Ich´s erfahren, geistige Identität gefunden hat, wird er für einen Beruf oder eine gesellschaftliche Funktion ausgebildet: „Menschen bilden, nicht Sklaven eines bestimmten Berufs oder Marionetten einer bestimmten Konfession“, so Wilhelm von Humboldt. Gegen staatliche Festlegung des Bildungsprogramms hat er deshalb Bedenken: „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ schreibt er im Geiste eines liberalen Humanismus 1792.: „Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste und proponierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“. Griechisch: Scholé = Schule = Freizeit, die jeder nach eigenem Ermessen nutzen sollte, und nicht staatlich oktroyiert (Schulpflicht mit verordnetem Bildungskanon), weil im eigenen persönlichen Interesse liegend: Öffentliche Staatserziehung, gar die Konstruktion von Gesinnungen durch den Staat, sind von Humboldt ein Gräuel. Sozialstaat führt immer in den Despotismus. Bestimme Dich aus Dir selbst, sagt Kant und „Es liegt am Menschen und nicht an einem dunklen Verhängnis, was aus ihm wird“, Hannah Arendt in einer Schrift zur Ethik.
Die Bildungsvorstellungen Wilhelm von Humboldts lassen mit jedem Wort erkennen, dass er die Absicht hat, den Menschen im Sinne Schillers, ohne Rücksicht auf Zugehörigkeit zu Stand, Religion und Rasse, zu vollenden.
Aber die Bildungssysteme vor und nach von Humboldt sehen bis heute so aus: Einpauken von Wissen und Fakten und Wiedergabe auf Anforderung gilt als intellektuell - die Anleitung zur Entdeckung und Entwicklung des Geistes der Edukanden aus eigenem Antrieb sitzt auf der letzten Bank. Daraus kann kein genus homo, der schöpferische Mensch, in aller Breite erwachsen. Und deshalb gilt auch heute noch der Satz von Friedrich Nietzsche aus dem 19. Jhd: „Also meine Freunde, verwechselt mir diese Bildung, diese zartfüßige, verwöhnte, ätherische Göttin nicht mit jener nutzbaren Magd, die sich (….) auch die „Bildung“ nennt, aber nur die intellektuelle Dienerin und Beraterin der Lebensnot, des Erwerbs, der Bedürftigkeit ist“: Bildung war und ist auch im heutigen Verständnis primär Ausbildung zur verordneten Nützlichkeit: Es herrscht das (profane) Bedürfnis und beugt die gesunkene Menschheit unter sein tyrannisches Joch, schreibt Schiller in einem Brief zur ästhetischen Erziehung des Menschen.

Und was sagt die Politik dazu? Von Humboldt sei tot: Politik und Wirtschaft (Lobbyismus) haben ihm in unserem Bildungssystem Hausverbot erteilt. Der „Mann ohne Eigenschaften“ ist gefragt, der leicht manipulierbare Massemensch, der keine Anstrengung mehr ohne konkreten Zweck macht. Humanistische Bildung hat für ihn keinen Wert, weil sie keine Rendite abwirft. Denn der Mensch sei eine ICH-Aktie und nur so viel Wert, wie ein Dritter dafür zahlt, sagt ihm heute der Outplacement-Berater einer Staatsbank: Es wandelt sich das Menschenbild des Humanismus und der Aufklärung zum „Humankapital“ im Sinne vereinbarter Einsatzziele gegen jede persönliche Selbstbestimmung – Bildung generiert zur Handelsware, der Mensch zur Sache.

Author — klaus peter kraa

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Googeln statt dem Arzt... na viel Spaß beim Sterben.
Und kein Arzt kennt 10.000 Krankheiten auswendig. Dafür gibt es ja die Aufteilung in Fachärzteschaften. Es geht viel mehr um Zusammenhänge.
Das Gleiche gilt sicher für viele Berufe....

Das hier ist purer Populismus

Author — Anto